Handschuhsheim

Wo bleibt die Lebensqualität für die Stadtteilbewohner ?

Im Nachgang zum Stadtteilgespräch über die Mobilität noch folgende Anmerkungen:
Wenn die Institutionen im NF um ca. 80 % Bruttogeschossfläche wachsen wollen, dann führt das automatisch zu einem Mehrverbrauch an Energie, Ressourcen und deutlich mehr CO2 und Verkehr. Man stelle sich vor, die Stadtverwaltung fordere 80 % mehr Gebäudefläche für Ihre zukünftige Arbeit oder die rnv einen Betriebshof, der angesichts der Aufgaben im ÖV, um 80 % größer ausfallen soll. Der Protest allein wegen der Kosten wäre enorm. Der Steuerzahler darf das nämlich alles zahlen. Hier dagegen wird um die Zahl der Stellplätze gestritten. Was für ein Anachronismus.
Wenn man das große Ganze betrachtet, möchte die UNI in Zusammenarbeit mit dem Klinikum einen gigantischen neuen Wirtschaftsstandort der life sciences im NF aufbauen. Hier sollen auf Kosten der umliegenden Stadtteile Profite erzielt werden und eine Nachverdichtung stattfinden wie es die Stadt Heidelberg bisher noch nicht gesehen hat.
Allein Bergheim wird von einer Blechlawine aus Autos, Fahrrädern, Bussen und Straßenbahnen überrollt werden. Kirchheim wird bei der Linie 26 mit einem 20 min Takt vom Bismarckplatz abgehängt. Die Mittermaier Straße und dann die Berliner Straße werden während der Rushhour von im 3 Minutentakt abbiegenden Trams blockiert sein. Und die Beteiligten diskutieren über ein paar Stellplätze mehr oder weniger.
Wenn in 15 Jahren die Sommer in Heidelberg sehr heiß und die Winter sehr nass sein werden, dann möchte ich die vielen Radler mal sehen, die verschwitzt oder durchnässt im Feld ankommen und dann noch nicht mal eine Dusche vom AG zur Verfügung haben. Jedes Kleinunternehmen bietet da schon mehr Service für seine Angestellten. Vielleicht nehmen dann doch die meisten Einpendler den kleinen, chinesischen Stromer, vollklimatisiert, den man heute schon für weniger als 10.000 € kaufen kann.
Und Herr Schneider vom Stadtplanungsamt hat ja bestätigt, dass keines der Planungsbüros einen klimaneutralen Campus bis 2050 hinbekommt.
Im Gegenzug muss also die Stadtgesellschaft bluten oder wie sonst sollen die wichtigen Ziele des Klimaschutzes erreicht werden?
Was hier mit diesem Masterplanverfahren an Begehrlichkeiten geweckt werden ist in meinen Augen ungeheuerlich und für die angrenzenden Stadtteile inakzeptabel. Die Qualität in Forschung, Lehre und der Medizin macht sich doch nicht am Gigantismus eines Campus fest. Es gibt viele kleinere UNIs, die erfolgreicher sind als Heidelberg.
Zum Schluss noch ein Wort zur Äußerung von Frau Höger: „wir waren im Campus gefangen“.
Das meint genau den Irrsinn dieses Masterplanprozesses, dass die Planungsteams durch die engen Vorgaben durch alle Projektträger überhaupt nicht ihre Kompetenz, Innovation und Kreativität ausspielen konnten. Der Prozess wäre nur fair gewesen, wenn man möglichst wenig Vorgaben gemacht hätte und die erfahrenen Teams mal hätte machen lassen. Schon allein die Beschränkung auf das Neuenheimer Feld hat jede Variabilität im Keime erstickt.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Gemeinderat seine Planungshoheit, in Verantwortung für die am meisten betroffenen Stadtteile, nicht aus den Händen gibt. Die Nebelkerzen unseres Herrn OB Prof. Dr. Würzner mit einem flächendeckenden Tempo 30 km/h und kostenlosem ÖV mögen sich da bald wieder verziehen, um Klarheit zu schaffen zum Wohle aller hier in Heidelberg Lebenden.
Vielen Dank für Ihre Geduld und herzliche Grüße von Martin F. aus Hendesse